Der große Mülleimer
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12 November 2005
Deckel drauf - das Blog zieht um
Blogger ist ein netter, kostenloser Dienst. Aber man stößt doch alleweil an die Grenzen der Software - ganz zu schweigen davon, dass Blogger immer wieder Aussetzer und elend lange Antwortzeiten hat. Mal eben rasch geht hier gar nichts, was für ein Blog ja nun eher frustrierend ist.

Also habe ich mich mal ein wenig umgesehen, verschiedene Blogger-Software getestet und Wordpress für gut befunden. Diese Lösungkommt mit neun Tabellen und einer Handvoll Templates aus, bietet alles, was ich brauche und noch mehr und kann problemlos angepasst werden.

Also wird Der große Mülleimer auf Blogger geschlossen. Mit den Notizen auf damaschke.de geht es weiter.
09 November 2005
Metze & Scheffel
Den Anmerkungen, die die Herausgeber den Ausgaben unserer Klassiker mit auf den Weg geben, hängt der Ruf an, dem suchenden Blättern die Düpierung folgen zu lassen, weil sie das, was sie erklären sollen, nicht erkären und den Leser statt dessen mit allerlei unnützem Zeug frustrieren.

Ein Musterbeispiel für so eine großtuende, aber nichtsnutzige Anmerkung fand ich nun bei der Lektüre von Johann Gottfried Seumes Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802. Herausgegeben von Jörg Drews. Frankfurt/M, Leipzig: Insel 2002.

Da beschreibt Seume den Besuch in einer Höhle und es heißt an einer Stelle (S. 74):
Zum Beweis, daß dieser Fluß [in der Höhle] das bei Planina wieder herausströmende Wasser sei, erzählte man mir, man habe vor einiger Zeit hier bei dem Einsturz ungefähr eine Metze Korke hinein geworfen, und diese seien dort in der Bergschlucht wieder zum Vorschein gekommen.
Eine Metze Korke. Wieviel mag das sein? Eine Handvoll? Ein Eimer? Schlagen wir’s in den Anmerkungen nach. Da lesen wir auf S. 396:
Metze] Mengenmaß; der 16. Teil eines Scheffels.
Das ist dreist –: dass es sich bei der »Metze« nicht um ein leichtes Mädchen, sondern um ein Mengen- bzw. wohl besser: um ein Hohlmaß handelt, weiß der Leser durch den Kontext, dass es »der 16. Teil eines Scheffels« sei, lässt ihn genau so schlau zurück wie vor dem Nachschlagen.

Zum Glück gibt es den Eintrag Alte Maße und Gewichte in der Wikipedia. Dort erfahren wir, dass das gar nicht so einfach ist, wie die Anmerkung suggeriert (die also nicht nur unnützes, sondern auch noch irreführendes Zeug vermeldet), hängt die Größe einer Metze doch sehr davon ab, wo man sich gerade befindet:
Metze
3 Stof = 3,435 l (Preußen)
6,489 l (Sachsen)
37,06 l (Bayern)
61,478 l (Österreich)
Da Seume aus Sachsen stammt, werden es wohl so um die sechs bis sieben Liter Kork gewesen sein, also rund ein Eimer voll.

Was ein »Scheffel« ist, erfährt man auch im genannten Artikel, nämlich »bis 1872 deutsches Hohlmaß für schüttbare feste Körper (z. B. Getreide)«, das je nach Gegend zwischen rund 0,23 und 2,22 hl fasste.
Rendevouz mit dem Weltgeist
Ich habe heute Gott gesehen.
Und er sah aus wie Bob Dylan.
08 November 2005
Die erste Anzeige
Giorgio Zarrelli hat darauf hingewiesen, dass Sony in Italien wegen ihrer seltsamen Kopierschutz-Methoden angezeigt wurde:
Well, ALCEI (Electronic Frontiers Italy) sued SONY here in Italy for the rootkit. You can find the text of the lawsuit sent to our finance police here: http://www.alcei.org/index.php/archives/105.
Here http://www.alcei.org/index.php/archives/106 you can find a document explaining the position of ALCEI. Both are in italian, but babelfish can help a bit.
Der Hinweis ist ein Kommentar im Weblog von Ed Bott, das nicht nur wegen seiner Beiträge zu Sony lesenwert ist.
06 November 2005
It's not a hack, it's a Sony
Aus Business-PC Daily, 4. 11. 2005 [geschrieben: 3. 11.]
Sonys Brachialmethoden im Kampf gegen die Raubkopierer

Liebe Leser,

vor ein paar Tagen warnte Bill Gates in einem Interview davor, dass ein übertriebener Kopierschutz zum Nachteil des Verbrauchers ausschlagen könne und daher abzulehnen sei (s. "Business-PC Daily" vom 24. Oktober).

Wohlgemerkt: Nicht der Kopierschutz per se, sondern ein Kopierschutz, der mit überzogenen Methoden vorgeht und dem Konsumenten das, was er sinnvollerweise mit einem digitalen Datenträger tun will, unnötig erschwert oder gar unmöglich macht.

Und kaum hat Bill Gates gesprochen, schon fliegt ein von Sony eingesetztes Kopierschutzverfahren auf, das nicht nur illustriert, wie man mit paranoiden Brachialmethoden und technischem Unverstand weit übers Ziel hinaus schießt, sondern darüber hinaus einen veritablen Skandal auslöst und einen Image-Schaden der Extraklasse davonträgt

Sony liefert einige seiner Musik-CDs mit einer eigenen Abspielsoftware aus. Steckt man diese CD in sein PC-Laufwerk, kann man sie ausschließlich mit dieser Software abspielen. Das allein ist schon ärgerlich und dumm genug, schließlich ist es keine gute Idee, die Konsumenten zur Installation einer eigenen Software zu zwingen, wenn eine Abspielsoftware wie zum Beispiel der Mediaplayer auf praktisch jedem Computer vorhanden und der Anwender mit diesem Programm vertraut ist. Das ist ungefähr so, als müsste man für jedes TV-Programm einen anderen Fernseher benutzen.

Doch es kommt noch schlimmer – was bei der Installation der Playersoftware passiert, ist nicht einfach nur ärgerlich, sondern fast schon kriminell (und ist in verschiedenen Staaten auch strafbar).

Zusammen mit dem Player wird ein Kopierschutz installiert, der es in sich hat. Dabei handelt es sich um eine Software namens XCP, die von der Firma First 4 Internet hergestellt wird und die folgende Merkmale aufweist. Die Software ...

  • ... installiert sich ohne das Wissen oder das Zutun des Anwenders

  • ... taucht nicht unter "Installierte Software" auf, nicht in der Registry und natürlich erst recht nicht im Explorer

  • ... lässt sich nicht de-installiert (versucht man es trotzdem, muss mit schweren Systemschäden gerechnet werden ? in harmloseren Fällen funktioniert das CD-/DVD-Laufwerk nicht mehr)

  • ... gräbt sich so tief in das Betriebssystem ein, dass sie auch im Safe-Mode aktiv ist

  • ... belegt kontinuierlich Systemressourcen, weil sie alle zwei Sekunden alle laufenden Prozesse und die mit ihnen verbundenen Dateien überwacht, um eine Kopie der CD zu verhindern ? selbst dann, wenn die kopiergeschützte CD nicht eingelegt ist

  • ... versteckt sich selbst so gut, dass sie nur aufzufinden ist, wenn man weiß, wonach man sucht

  • ... nimmt bei dieser Versteckaktion so weitreichende Eingriffe im System vor, dass die Stabilität und Sicherheit von Windows ernsthaft gefährdet ist.

Falls Ihnen das Verhalten dieses Kopierschutzes à la Sony & First 4 Internet bekannt vorkommt: Ganz recht, die aufgezählten Merkmale sind typische Erkennungszeichen von Spyware, Trojanern und anderer Schadenssoftware.

Entdeckt wurde diese nicht gerade zimperliche Schutzmethode durch den Sicherheitsexperten Mark Russinovich beim Testen seiner neuesten Software zum Aufspüren so genannter "Rootkits" (das ist Software, die sich auf Systemebene einschmuggelt, unkenntlich macht und Schadensroutinen installiert ? also genau das macht, was Sonys Kopierschutz da treibt).

Kaum hatte er seine schockierende Entdeckung detailliert beschrieben, ging eine Welle der Empörung durchs Netz ? quer durch alle Anwenderschichten, vom Teenager, der seine CD am PC hören will bis zum erfahrenen PC-Profi und Bestseller-Autor wie Ed Bott, der Sony und First 4 Internet kurzerhand Sony and their partners in crime nennt.

In ersten Reaktionen hat Sony versucht, die Wogen zu glätten, als das nicht gelang, hat man einen Uninstaller nachgeschoben, der das Rootkit (angeblich) vollständig von der Festplatte entfernen soll.

Fragt sich nur, ob man einer Firma, die so kaltschnäuzig in fremde PCs einbricht und das auch noch als ihr gutes Recht verteidigt, noch vertrauen kann. Es wird wohl mehr nötig sein, um den Image-Schaden wieder gut zu machen.

Inzwischen weiß man nicht nur, dass das Misstrauen mehr als berechtigt war, sondern auch, dass Sony schon seit rund 3 Jahren diesen Unfug treibt.
Das Beichtgeheimnis ...
... ist auch nicht mehr das, was es mal war:
Stoiber beichtet dem Papst seine Rückzugsgründe

Bei seiner Privataudienz im Vatikan hat Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) Papst Benedikt XVI. einen Grund für seinen überraschenden Rückzug nach Bayern genannt: das gestörte Verhältnis zur CDU-Chefin Angela Merkel.
22 Oktober 2005
Yohoo – und ne Buddel voll Rum!
Ich weiß nicht, wie es anderen geht – aber mir fällt bei den Stichworten »Rum & Grog« unweigerlich die Schatzinsel ein, eines der ganz großen Leseerlebnisse meiner Kindheit und die Erinnerung an dieses frühe Leseglück dürfte nicht zuletzt zum Wohlgeschmack des goldgelben Gebräus da neben mir beitragen.

Stevensons vielleicht inspiriertesten Text besaß ich zuerst ein einer winzigen, vielleicht 10×10 cm großen, natürlich extrem gekürzten Ausgabe, an die sich unvergängliche LeseErinnerungen heften. Erst später kam mir die vollständige Fassung unter.

Natürlich habe ich als Kind nicht nur gelesen, sondern auch Fernsehen geguckt (was ich heute fast überhaupt nicht mehr mache). Und natürlich war der Vierteiler Die Schatzinsel, der alljährlich zu Weinhachten ausgestrahlt wurde, einer der Höhepunkte des auslaufenden Jahres. Ist der erwartungsvoll herbeigewünschte Zauber dieses Vierteilers 30 Jahre später wiederholbar? Ich werde es ausprobieren: Der Weihnachtsklassiker Die Schatzinsel erscheint auf DVD.
Herbstfreuden
Was macht man, wenn ma in einer Ecke eine verstaubte, halbvolle Flasche Admiral Vernon. Echter Übersee Rum. 54 % vol findet? Genau. Man macht Wasser heiß und sucht den Kandiszucker. Wenn die aufziehende kalte Jahreszeit nicht als Entschuldigung für eine s-teifen Grog gut ist - wofür dann?

Prost auch.
19 Oktober 2005
Arno wohnt hier nicht mehr
Es ist in Literatur-Feuilleton-Kreisen zuweilen ein beliebter Sport, an allen möglichen Stellen plötzlich mit dem Namen »Arno Schmidt« aus dem Gebüsch zu springen. Reinhard Jirgl etwa ist ein Autor, bei dem die Schmidt-Nennung ein gut eingeübtes Ritual der Rezensenten ist und es zum Standeskodex zu gehören scheint, dass in einer Jirgl-Rezension mindestens einmal »... erinnert Jirgl an Arno Schmidt ...« steht oder ein Satz mit »Wie Arno Schmidt hat auch Jirgl ...« beginnt.

Doch in seiner Rezension von Jirgls neuem Roman Abtrünnig in der Literatur-Beilage der Süddeutschen Zeitung vom 18. Oktober hat Lothar Müller dieses Abkommen jetzt unmissverständlich aufgekündigt. Trotzig verweigert er sich allen Schmidt-Nennungen selbst da, wo sie noch nicht einmal falsch gewesen wären:
Der privatsprachliche Umgang, den Jirgl mit Interpunktionszeichen und Rechtschreibung pflegt, soll nicht nur die unwillkommenen flüchtigen Leser fernhalten. "Akademicker", "Ton-Phall", "para=Dies-Irae" oder "Uni-per-versität" sind nicht Wortspiele, Kalauer, sondern Ernst, Entlarvung, Instrumente der Ideologiekritik. Denn Jirgl ist nicht nur ein Erbe ...
Arno Schmidts,
... Nietzsches, des jungen Brecht und Alfred Döblins. Er ist zugleich ein Erbe ...
Arno Schmidts?
... der Spießer- und Untertanenkritik von der Romantik bis ...
Arno Schmidt.
... Heinrich Mann.
Missetatern
Manchmal frage ich mich ja, wie es wohl um die Ausgangsbasis solcher automatischen Übersetzungen bestellt ist:
Liebe PostBank Kunde:

Im Zusammenhang mit der komplizierten Situation, die in unserem Land mit online - Banking zustande gekommen ist, haben wir die Verordnung bekommen, alle online - Konten von unserer Bank zu uberprufen. Diese Ma?nahme wurde wegen der "Tageskonten" getroffen, die von den Missetatern fur Geldwasche der gestohlenen Mittel benutzt werden.
Vermutlich sind diese Mails in einen ebenso lustigem Englisch geschrieben.
Aus meinem Posteingang: Disclaimer
Ich glaube, bei der SüdLeasing herrscht akuter Beratungsbedarf in Sachen E-Mail-Kommunikation. Vielleicht sollte ich ihnen mal meine Dienste anbieten, damit so ein Unfug in Zukunft vermieden wird:

Disclaimer der SüdLeasing:
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14 Oktober 2005
Lehrgeld
Aus der Reihe Kneipen, die man in München meiden sollte:

Ich war gestern mit ein paar Kollegen auf ein Bier. Jonet-Stammtisch nennt sich das. Man traf sich in einer Kneipe namens "Königsquelle". Kannte ich nicht. Sah ganz normal-rustikal aus. Kneipe halt. Ok. Essen bestellt. Bier bestellt. Nach dem Essen (gut, aber zu wenig, also musste ich nolens volens zwei Portionen essen) schau ich meinen Nachbarn an, entscheide, dass der einen Willi braucht und ordere also zwei Williams. Die kamen in Grappa-Gläsern. Oha. Waren was besonderes. 3,00 Euro schätzte ich. Aus meinem einen wurden im Laufe des Abends vier, mein Nachbar kam auf den Geschmack und bestellte sich auch selbst noch einen. Mein Nachbar zahlte vor mir, schaute auf die Rechnung und wurde wieder blass. Er sah mich an und meinte, ich solle mich auf eine Überraschung gefasst machen. Etwas beunruhigt fragte ich den Kellner, was denn ein Willi kostet. "5,90 Euro" sagte der. "Holla." sagte ich. "Ist aus Kalifornien" sagte er. "Trotzdem zu teuer" sagte ich und fügte hinzu "aber ich hätte halt auf die Preisliste gucken sollen. Shit happens". Und zahlte für mich allein 60 Euro. Denn auch das Bier war mit 3,30 für 0,5 deutlich teurer als erwartet. "Glockenbachviertel" sagte der Kellner. "Ach was?" sagte ich und ging.
»Oh, Sie haben im großen Mülleimer gewühlt?«
Debbie Harry über Recherchen im Internet

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